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Erfahrungen mit elektronischen Schultafeln PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Peter Hummer   
Freitag, 08. April 2011 um 16:42

Der Schulkdirektor der Bäke-Grundschule in Berlin-Steglitz , Herr Haase, hat sich, auf Nachfrage von Plan B Stadtverordneten Herrn Hummer, bereit erklärt, zu dem Thema "Kreidezeit Ja oder Nein" seine Erfahrungen mitzuteilen. Hier sein Leserbrief an die MAZ, den er auch Herrn Hummer zukommen ließ, zwecks Veröffentlichung auf unserer Seite.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

zum Leserbrief "Zur Problematik der elektronischen Tafel in der Goetheschule
Zossen" möchte ich als Schulleiter der Grundschule mit der längsten und
intensivsten Erfahrung aller Berliner und Brandenburger Grundschulen in
Sachen Smartboards
ein wenig Stellung nehmen:


Anfangsschwierigkeiten wegen fehlenden Internetanschlusses? Ja nun, die
pädagogischen und didaktischen Möglichkeiten des Internet im Unterricht
einbauen zu können ist zwar wunderbar, aber für die Erstellung und Nutzung
multimedialer und/oder interaktiver Inhalte in keiner Weise notwendig. 90%
seiner Vorzüge gegenüber der Kreidetafel hat das Smartboard auch ohne
Internet. Und auch wir hatten am Anfang bei weitem noch nicht alle
Klassenräume vernetzt - aber wir haben im Nu Eltern gefunden, denen es
Freude machte, zusammen mit Hausmeister und Schulleiter für die Schule ihrer
Kinder schrauben, löten und crimpen zu können. Probleme sind dazu da, gelöst
zu werden.
Computer und Whiteboard stürzen ab und zu ab? - Na ja, das Whiteboard kann
nicht abstürzen. Und wenn ein Computer sich als störanfällig herausstellt,
dann müsste sich der, in der heutigen Zeit, doch innerhalb einer halben Stunde
auswechseln lassen?!

Der Streit um die Kreidetafel neben dem Smartboard ist weit verbreitet, aber
ich verstehe ihn nicht. Niemand will neben seinem Auto die Pferdekutsche
stehen haben, niemand neben seiner Schlagbohrmaschine den Faustkeil. Die
Umstellung von der Kreidetafel auf das Smartboard ist deutlich einfacher als
die Umstellung von der Pferdekutsche auf das Auto - aber es ist eine
Umstellung und mit Zeit, Engagement und Arbeit verbunden. Und wir Menschen
neigen nun mal leider zur Bequemlichkeit.
Das heißt: Auch wir (ich
eingeschlossen) mussten am Anfang selbstkritisch feststellen, dass die
notwendige Beschäftigung mit und Umstellung auf die interaktiven Whiteboards
nur in den Klassen funktionierte, in denen das alte, bekannte Medium
Kreidetafel nicht mehr vorhanden war. Wir mussten uns entscheiden und haben
es getan: Alle Kreidetafeln wurden demontiert, wir haben uns selbst in die
Umstellung gezwungen - und bereuen es nicht.
Erst nach zwei Jahren haben wir
herkömmliche Whiteboards zusätzlich aufgehängt. Niemand kommt mehr auf die
Idee, sie für Unterrichtszwecke zu benutzen, sie dienen ausschließlich für
statische Dinge (Anschrieb der Hausarbeiten, der Klassenämter, Termine
u.s.w.).

Wer es wirklich will, kann aus einem nicht funktionierenden Smartboard
innerhalb von Minuten ein funktionierendes machen. Am Anfang, als wir auch
noch mit unseren alten, von Eltern, Banken und Behörden ausgemusterten
Computern zu kämpfen hatten, da liefen eben einige mit ihrem privaten
Notebook in der Mappe herum. Die Lizenzpolitik des Herstellers erlaubt die
Installation der Tafelsoftware auf jedem Lehrer- und Schüler-PC. Man muss es
wollen.
Mit freundlichen Grüßen

Jens Haase
(Schulleiter)
Grundschule an der Bäke (06G31)

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