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Der Schulkdirektor der Bäke-Grundschule in Berlin-Steglitz , Herr Haase, hat sich, auf Nachfrage von Plan B Stadtverordneten Herrn Hummer, bereit erklärt, zu dem Thema "Kreidezeit Ja oder Nein" seine Erfahrungen mitzuteilen. Hier sein Leserbrief an die MAZ, den er auch Herrn Hummer zukommen ließ, zwecks Veröffentlichung auf unserer Seite.
Sehr geehrte Damen und Herren,
zum Leserbrief "Zur Problematik der elektronischen Tafel in der Goetheschule Zossen" möchte ich als Schulleiter der Grundschule mit der längsten und intensivsten Erfahrung aller Berliner und Brandenburger Grundschulen in Sachen Smartboards ein wenig Stellung nehmen: Anfangsschwierigkeiten wegen fehlenden Internetanschlusses? Ja nun, die pädagogischen und didaktischen Möglichkeiten des Internet im Unterricht einbauen zu können ist zwar wunderbar, aber für die Erstellung und Nutzung multimedialer und/oder interaktiver Inhalte in keiner Weise notwendig. 90% seiner Vorzüge gegenüber der Kreidetafel hat das Smartboard auch ohne Internet. Und auch wir hatten am Anfang bei weitem noch nicht alle Klassenräume vernetzt - aber wir haben im Nu Eltern gefunden, denen es Freude machte, zusammen mit Hausmeister und Schulleiter für die Schule ihrer Kinder schrauben, löten und crimpen zu können. Probleme sind dazu da, gelöst zu werden. Computer und Whiteboard stürzen ab und zu ab? - Na ja, das Whiteboard kann nicht abstürzen. Und wenn ein Computer sich als störanfällig herausstellt, dann müsste sich der, in der heutigen Zeit, doch innerhalb einer halben Stunde auswechseln lassen?!
Der Streit um die Kreidetafel neben dem Smartboard ist weit verbreitet, aber ich verstehe ihn nicht. Niemand will neben seinem Auto die Pferdekutsche stehen haben, niemand neben seiner Schlagbohrmaschine den Faustkeil. Die Umstellung von der Kreidetafel auf das Smartboard ist deutlich einfacher als die Umstellung von der Pferdekutsche auf das Auto - aber es ist eine Umstellung und mit Zeit, Engagement und Arbeit verbunden. Und wir Menschen neigen nun mal leider zur Bequemlichkeit. Das heißt: Auch wir (ich eingeschlossen) mussten am Anfang selbstkritisch feststellen, dass die notwendige Beschäftigung mit und Umstellung auf die interaktiven Whiteboards nur in den Klassen funktionierte, in denen das alte, bekannte Medium Kreidetafel nicht mehr vorhanden war. Wir mussten uns entscheiden und haben es getan: Alle Kreidetafeln wurden demontiert, wir haben uns selbst in die Umstellung gezwungen - und bereuen es nicht. Erst nach zwei Jahren haben wir herkömmliche Whiteboards zusätzlich aufgehängt. Niemand kommt mehr auf die Idee, sie für Unterrichtszwecke zu benutzen, sie dienen ausschließlich für statische Dinge (Anschrieb der Hausarbeiten, der Klassenämter, Termine u.s.w.).
Wer es wirklich will, kann aus einem nicht funktionierenden Smartboard innerhalb von Minuten ein funktionierendes machen. Am Anfang, als wir auch noch mit unseren alten, von Eltern, Banken und Behörden ausgemusterten Computern zu kämpfen hatten, da liefen eben einige mit ihrem privaten Notebook in der Mappe herum. Die Lizenzpolitik des Herstellers erlaubt die Installation der Tafelsoftware auf jedem Lehrer- und Schüler-PC. Man muss es wollen. Mit freundlichen Grüßen
Jens Haase (Schulleiter) Grundschule an der Bäke (06G31) |